Samstag, 12. November 2016

Mit gebrochenem Auspuff in die Wüste

Mein Auto ist seit geraumer Zeit richtig zugelassen und so kann ich damit jetzt auch einige Ziele in der näheren Umgebung ansteuern. Letztes Wochenende stand ein Ausflug in das Fayoum auf dem Programm. Naherholungsgebiet Nummer eins wenn man aus Kairo kommt.


Anfänglich lief es ganz gut, aber so richtig lange hielt die Freude nicht. Ich hatte in Deutschland noch sämtliche Auspuffgummis erneuert, doch offensichtlich war es da mit der Qualität nicht weit her. Urplötzlich hatte ich eigenartige Schleifgeräusche, bei denen mir sofort klar war, woher die kamen.


So konnte das natürlich nicht bleiben. Ich hatte weder Werkzeug noch irgendwelche Teile an Bord, mit denen ich den Schaden provisorisch hätte richten können. Nichts, bis auf ein Stück Schnur. Als ich den Auspuff damit hochbinden wollte, kam ein junger Ägypter vom Cafe gegenüber auf mich zu und meinte, dass das keine so gute Idee sei. Das war mir auch klar, aber was sollte ich machen? Ich konnte gar nichts machen, aber er. Er ging mit mir auf die Suche nach einem Stück Draht, den er dann irgendwo in einer Garage auch gefunden hat. Und jetzt konnte ihn nichts mehr bremsen. Er hat sich dann unters Auto gelegt und bevor ich mich versehen konnte, war der Auspuff wieder fest. Gut gemacht, das sollte halten. Geld wollte er keines, Wir haben uns dann dankbar verabschiedet.
Das hat auch gehalten, doch man konnte deutlich hören, dass der Auspuff irgendwo etwas abbekommen hatte. Er machte mit lauten Blasgeräuschen auf sich aufmerksam. Ich wusste, dass die Piste zum Wadi Hitan eine ziemliche Belastung für das Auto werden würde und mir war klar, dass die Chance groß war, dass der Auspuff das nicht überlegt. Was also tun? Ich musste mir eine Werkstatt suchen. Dummerweise war es Freitag, also der Tag, der bei uns dem Sonntag entspricht.
In der Nähe von Tunis Village habe ich zumindest schon mal einen Teilehändler für Tuktuks, bzw. Mopeds gefunden. Bei dem konnte ich auch Auspuffgummis kaufen. Allerdings wollte ich ja den Auspuff schweißen lassen. Das ging dann so ein bisschen hin und her, bis es mir zu bunt wurde und ich  per Telefon um eine Übersetzungshilfe bei Nora gebeten habe. Was ich nicht wusste war, dass der Händler mich schon ganz gut verstanden hatte und draußen auch schon ein Kumpel unter meinem Auto lag, um die Auspuffgummis zu montieren. Der könnte mir das auch schweißen.

 
Das war ein bisschen ein komischer Kauz, ziemlich überdreht. Er hat ständig arabisch mit mir gesprochen, obwohl ich ja kaum was verstehe. Aber er hat nicht aufgegeben. Also habe ich dann mit ihm auf deutsch gesprochen. Eine zielführende Kommunikation war so natürlich nicht möglich, aber er hat sich dann in regelmäßigen Abständen totgelacht. Immerhin war zumindest beim Grundproblem Einvernehmen.
Der Weg in seine Werkstatt hat sich  ganz schön gezogen. Das waren sicher 15 Kilometer durch die ländliche, ägyptische Prärie. Irgendwann waren wir dann aber da. In Windeseile hatte er den kompletten Auspuff ab Kat ausgebaut. Wie er das so schnell hinbekommen hat, ist mir ehrlich gesagt ein  Rätsel.


Hier war dann auch klar, was passiert war. Die Auspuffanlage ist am Getriebe fixiert und der Ganze Rest, den man hier sieht, hing frei. Das hat der Mitteltopf nicht lange mitgemacht. Durch die Hebelwirkung des Endtopfes, war Eingang des Rohres am Mitteltopf fast komplett gebrochen. Das musste wirklich geschweißt werden.
Über die Sonnenbrille habe ich mich nicht wirklich gewundert.


Gewundert habe ich mich eher darüber, wie er geschweißt hat. Nämlich mit Elektroden und einem Gerät, dessen dicke Stromleitung gebrochen war und deswegen mit einer Gripzange zusammengehalten wurde. Angeschaltet wurde es (so wie die Flex), indem man zwei blanke Drähte in eine zerbrochene Steckdose gepfriemelt hat.


Die ganze Situation war auch so ein bisschen unangenehm. Das Auto zerlegt, der Typ total überdreht und im Nu war auch das halbe Dorf versammelt. Es war ja schließlich etwas geboten. Und am Höhepunkt meinte er, dass er jetzt gehen müsste. Es sei höchste Zeit für das Freitagsgebet. Das wollte ich ihm natürlich nicht verwehren.
Auf jeden Fall saßen wir jetzt da und warteten knapp 45 Minuten darauf, dass es weiterging.


So hatte ich wenigstens Zeit, mir seine Werkstatt mal genauer anzusehen. Allerdings war ich da recht schnell durch.


Als er dann wieder kam, gabs dann noch ein kleines Feuerwerk. Der Auspuff war schnell fertig geschweißt und wieder eingebaut, doch dann ging es um den Preis. Er war nicht zufrieden und hat sich dann irgendwann einfach ins Auto gesetzt und den Motor gestartet. Keine Ahnung, was er damit bezwecken wollte. Also brauchte ich nochmal Nora, die mir übersetzt. Im Endeffekt habe ich dann viel zu viel bezahlt. Und dann musste ich noch die ganze Meute abwimmeln, weil wir hätten ja sicher Hunger und bräuchten ja sicher einen Führer und überhaupt. Ich bin dann einfach gefahren und war auch ganz froh darüber, dass alles geklappt hat.

Auf jeden Fall hat uns die Pause über zwei Stunden Zeit gekostet und die fehlten uns jetzt. Somit ging es zu den Wasserfällen im  Wadi Rayan im Eiltempo. Allerdings war da so extrem viel los, dass man da eh nicht so lange bleiben wollte. Auf dem anschließenden Weg ins Wadi Hitan gab es aber immer wieder mal eine Fotopause.

 
Diese buckeligen Wüstenpisten sind schon eine ganz schöne Belastung für das Auto und den Fahrer. Da rüttelt es einen ganz schön durch. Und immerhin waren das knapp 40 Kilometer einfach, die zu bewältigen waren.


Auf dem komenden sieht man die Wellen ganz gut, die einem das Leben schwer machen. Und unter der Höherlegung litt natürlich auch der Fahrkomfort. Allerdings wird es deutlich besser, wenn man so schnell fährt, dass man quasi über diese Rillen fliegt. Mit 100 gehts ganz gut. Allerdings muss man sich dann auch ganz ordentlich konzentrieren, denn es gibt immer wieder auch sandige Abschnitte. Ein paar Jeeps habe ich so überholt, ich hätte ganz gerne gewusst, was die sich denken.

   

Aber die Mühen lohnen sich. Wadi Hitan heißt auf deutsch Tal der Wale. Hier findet man in der Tat Überreste von Walknochen, die noch aus der Zeit stammen, als an dieser Stelle das Tethysmeer war. Die versteinerten Knochen sind frei zugänglich und nur mit einer Schnur abgesperrt.
Und landschaftlich ist das Wadi Hitan sehr beeindruckend. Es gibt dort auch ein kleines Besucherzentrum. Das Ganze ist UNESCO-Weltnaturerbe und die ganze Anlage sehr gepflegt.



 


Nach so einem anstrengenden und heißen Tag darf es dann abends ruhig auch ein schöneres Hotel sein und so sind wir in der Auberge Helnan direkt am Qarunsee abgestiegen. Da wollte ich 2009 bei meinem ersten Besuch in Ägypten schon hin, das hat damals aber nicht geklappt. Sag niemals nie.


Das ist ein schönes Hotel, jedoch haben wir uns hier in die touristischen Spuren begeben und das sollte sich am nächsten Tag rächen. Nach dem Auschecken ging es auf den Hotelparkplatz. Dort war die Polizei stationiert (wie das oftmals üblich ist) und die hat uns mitgeteilt, dass sie uns begleitet. Ich war wenig begeistert und habe ihnen dann auch gesagt, dass das gar nicht notwendig ist und dass ich hier ja wohne und mich auskenne. Es half alles nichts. Für den restlichen Tag sind wir die nicht mehr losgeworden. 


Man soll ja aus der Not eine Tugend machen und so habe ich das positiv gesehen. Immer wenn jemand rechts aus einer Seitenstraße schnell kam und schneiden wollte oder bei anderen unübersichtlichen Situationen kam von hinten die Sirene und das Blaulicht und schon war die Bahn frei. Beim Besuch der Töpfereien in Tunis Village haben sie dann zwei Stunden lang das Auto bewacht. Immer wieder kam ein Polizist in zivil rein um nachzusehen, ob wir noch da sind.



Erst auf dem Heimweg als wir schon auf der Fayoum-Kairo Desert Road waren, haben sie uns dann verloren. Ich bin zum Tanken rausgefahren und das haben sie nicht bemerkt. 

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